Letteratura Filatelica - Philatelistische Bücher und Zeitschriften aus Italien

CARRA, Lorenzo & CARRARO, Gianni und Diego: 1866, La terza guerra d'indipendenza, La posta militare italiana

(1866, Der 3. Unabhängigkeitskrieg, Die italienische Feldpost) - Herausgeber: A.I.C.P.M. - Associazione Italiana Collezionisti Posta Militare e Storia Postale, Rimini 2014 - Format A4, Hardcover, 304 Seiten mit zahlreichen Abbildungen in Farbe bzw. Schwarz/Weiß - Erhältlich bei VACCARI s.r.l., via M. Buonarroti 46, 41058 VIGNOLA (MO), Italien, Preis 35,-- € + Porto

Der 3. Italienische Unabhängigkeitskrieg gegen Österreich des Jahres 1866 - der zeitgleich mit dem Deutsch-Österreichischen Krieg stattfand - findet unter den postgeschichtlich interessierten Sammlern in Italien und darüber hinaus große Beachtung. Entsprechend umfangreich ist die das Thema betreffende Literatur, neben einigen Büchern gibt es zahlreiche Zeitschriftenartikel und einige Vorträge. Auch in unserer Zeitschrift erschienen einige Artikel über die kriegsbedingte Postumleitung über die Schweiz von Briefen aus Italien nach Österreich. Das vorliegende Buch behandelt in umfassender Weise einen ganz speziellen Aspekt, nämlich die italienische Feldpost.

Das Buch besteht aus zwei ganz unterschiedlichen Teilen, einem beschreibenden und einem Katalogteil. Der erste Teil (164 Seiten) beginnt mit einer knapp gefassten Chronologie der politischen und militärischen Ereignisse des Jahres 1866, beginnend mit dem Abschluss des Geheimvertrages zwischen Italien und Preußen am 9. April, über die militärischen Aktionen der Monate Juni und Juli bis zum Waffenstillstand von Cormons am 12. August und dem Wiener Friedensvertrag vom 4. Oktober 1866 und den Daten für den Abzug der österreichischen Truppen aus den nicht von den Italienern im Kriegsverlauf besetzten Gebieten, insbesondere den Festungen. Im Ergebnis des Krieges erhält Italien das bisher zu Österreich gehörende Königreich Venetien einschließlich des östlichen Teils der Lombardei. Anschließend werden die Kriegsereignisse beschrieben, und zwar im Wesentlichen durch die Wiedergabe von Briefinhalten. Die entsprechenden Briefe werden vollständig abgebildet. Ergänzt werden sie durch die Reproduktion zahlreicher zeitgenössischer Dokumente und Illustrationen. Anschließend werden in gleicher Weise einige spezielle Themen wie das Sanitätswesen, die Desinfektion, Kriegsgefangene, Spionage und Gegenspionage, der Streit zwischen Generälen behandelt. Daran schließt sich als ein Kernstück des Buches eine detaillierte Darstellung der Organisation der italienischen Feldpost und der von ihr verwendeten Stempel an. Besonders wertvoll ist die Reproduktion aller dazu gehörenden Dokumente. Mit großem Fleiß hat einer der Autoren (L.C.) die italienischen Archive durchforstet, insbesondere das zentrale Staatsarchiv. Das erspart den Nutzern des Buches ein eigenes zeitaufwendiges Archivstudium.

Es folgt der umfangreiche Katalogteil. Dabei werden zwei Phasen unterschieden: Bis zum Waffenstillstand von Cormons und danach bis zur Demobilisierung. Jedem Feldpostamt ist eine einheitlich gestaltete Doppelseite gewidmet. Es beginnt mit einer kurzen Beschreibung des Feldpostamtes und der Abbildung der jeweiligen beiden Stempel, des auf dem Brief abzuschlagenden Zweikreisstempels und des zur Entwertung der Briefmarken dienenden Punkt-Nummernstempels mit der arabischen Zahl für das jeweilige Feldpostamt. Anschließend werden die Zahl der bekannten Belege und der belegbare Verwendungszeitraum angegeben. Es schließt sich eine Analyse der Belege an - Briefe mit Marke, gebührenfreie Briefe, Verwendung der Stempel bei Ankunft oder im Transit, Briefe mit Nachgebühr, sowie eine chronologische Auflistung. Auf der zweiten Seite sind jeweils ein oder zwei Belege in hervorragender Qualität abgebildet. Mit Stand April 2014 sind insgesamt 680 Belege erfasst. Von den meisten Feldpostämtern sind es weniger als 10, von einigen aber auch einige Dutzend.

Das Werk besticht generell durch seine hohe drucktechnische Qualität. Insgesamt kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass mit ihm ein Referenzwerk zu diesem speziellen Gebiet der italienischen Postgeschichte vorliegt, das gewiss einige Jahrzehnte Bestand haben wird.

Abschließend noch eine Bemerkung: Die Mitglieder der AICPM erhalten das Buch als kostenlose Jahresgabe, damit hat sich der Jahresbeitrag schon fast bezahlt gemacht. (Dr. Jürgen Glietsch, AIJP)

aus: Italien Rundschau 76/2014