Letteratura Filatelica - Philatelistische Bücher und Zeitschriften aus Italien

Thomas Mathà, International Mail Crossing the Italian Peninsula 1815 â€" 1852

La Marque Postale (Tirage Spèciale), Aachen (2017), 241 Seiten, Euro 40, mit einem Vorwort von James Van der Linden.

In dem Buch ist die postgeschichtliche Sammlung des Autors dokumentiert. Es werden ca. 350 â€vorphilatelistische†Briefe vorgestellt, die im Zeitraum von 1815 (Italien nach dem Wiener Kongress) bis zur Einführung der Briefmarken in der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Hauptsache im Transit durch den Kirchenstaat befördert wurden.

Jeder der gezeigten Briefe wird detailliert beschrieben, insbesondere werden die auf den Briefen angeschriebenen Gebühren in den jeweiligen Währungen entschlüsselt. Ferner werden die Zwischenstationen auf dem Weg vom Aufgabeort zum Adressaten angegeben. Häufig wird der Laufweg des Briefes mit Hilfe einer Kartenskizze gezeigt. Die insbesondere für den Transit durch den Kirchenstaat relevanten Stempel sind am Beginn der einzelnen Kapitel in Reinzeichnung dargestellt, was ihre Interpretation auf den Briefen außerordentlich erleichtert.

Das Buch ist in zwei Hauptteile gegliedert. Im ersten werden Briefe gezeigt, die zwischen den altitalienischen Staaten ausgetauscht wurden. Grundlage der drei Kapitel sind die Postverträge, die zwischen dem Kirchenstaat und -sterreich (1815), dem Kirchenstaat und der Toskana (1823) sowie der Toskana und Sardinien (1822) abgeschlossen wurden.

Basis des zweiten Hauptteils sind die Postverträge Kirchenstaat â€" -sterreich (1815), Frankreich - -sterreich (1843), Sardinien â€" -sterreich (1818), Frankreich â€" Sardinien (1817), Kirchenstaat â€" Neapel (1816). Spezielle Kapitel beschäftigen sich mit der Vereinbarung zwischen dem Kirchenstaat und dem -sterreichischen Lloyd (1839) sowie der Rolle von Forwardern insbesondere beim Postverkehr mit Übersee.

Es werden sowohl Briefe dokumentiert, die den Kirchenstaat in Nord â€" Süd-Richtung als auch in Süd â€" Nord-Richtung transitierten. Schwerpunkt bilden daher Briefe, die in das Königreich beider Sizilien (insbesondere in das festländische Königreich Neapel) liefen bzw. von dort kamen. Als Destination kommen fast alle damaligen europäischen Staaten vor.

Auch unter dem aktuellen Aspekt der â€social philately†findet sich Interessantes. Herausragend sind einige mit der Post beförderte Briefe, die direkt an den König Ferdinand II. In Neapel adressiert sind. Ebenso sind einige seiner Minister bedacht. Auch Persönlichkeiten des kulturellen Lebens, Militärs und bekannte Handelshäuser fehlen nicht.

Insgesamt enthält das Buch eine unwahrscheinliche Fülle an Informationen. Die Erläuterungen zu den einzelnen Postverträgen sind allerdings extrem knapp gehalten. Die postalischen Verhältnisse, insbesondere in den altitalienischen Staaten, werden nicht erläutert. Es ist daher nicht immer einfach, die zu den Briefen gegebenen Erläuterungen nachzuvollziehen. Die Beschäftigung mit dem Buch hat umfangreiche Kenntnisse zur Postgeschichte der altitalienischen Staaten zur Voraussetzung. Es ist die wertvolle Dokumentation einer einzigartigen Sammlung, aber nicht als Einführung in dieses postgeschichtlich komplexe und interessante Gebiet geeignet.

Das Buch ist in einer Auflage von 80 Exemplaren bei La Marque Postale (Präsident James Van der Linden) erschienen. Es ist nicht im Handel erhältlich, aber eventuell noch beim Autor (thomasmathabz.@gmail.com)

(Dr. Jürgen Glietsch)

aus: Italien Rundschau 85/2018