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Alessandro Arseni: Collezione Fenice. Egitto. Servizi Postali Marittimi degli Uffici Italiani 1863 - 1880

Auktionshaus Felzmann; Düsseldorf, 2011

Schlagworte: Schiffspost Ägypten Italienische Postanstalten im Ausland

Autoren: Alessandro Arseni

Rezension

Es ist eine immer wieder gestellte Frage: Was geschieht mit mit groBen philatelistischen oder postgeschichtlichen Sammlungen, die häufig über Jahrzehnte zum Teil mit einem erheblichen finanziellen Einsatz zusammengetragen wurden und auf lnternationalen Ausstellungen höchste Bewertungen erhalten haben, wenn ihre Besitzer ihre Sammeltätigkeit aus unterschiedlichen Grflnden aufgeben bzw. aufgeben müssen. Haufig befinden sich in derartigen Sammlungen einzigartige Stücke, die nur in wenigen Exemplaren existieren oder gar Unikate sind. AuBerdem ist in ihnen sehr oft ein einmaliges Wissen dokumentiert. Meist werden diese Sammlungen von ihrem Besitzer der dessen Erben bei einer Briefmarkenauktion zur Verwertung eingereicht. Nur im extremen Ausnahmefall übernimmt ein Sammler sie komplett und baut sie weiter aus. Meist wird sie zerlegt und in einer Vielzahl von Losen versteigert, zur Freude einer mehr oder minder großen Anzahl von Philatelisten, die somit ihre eigenen Sammlungen ergänzen und weiter ausbauen können. Das in ihnen gespeicherte Wissen geht dabei zumindest in seinen Zusammenhängen zum großen Teil verloren.
Eine andere, viel seltener vorkommende Möglichkeit ist, dass der Sammler das, was er häufig in Jahrzehnten zusammen getragen hat, mit all dem enthaltenen Wissen der Nachwelt erhalten möchte. Die Sammlung wird mit dieser Auflage z.B. einem Museum oder in Deutschland auch dem BDPh übereignet. Die Frage ist, ob das Ziel des Sammlers damit erreicht wird. Denn meist verschwindet in diesen Fällen die Sammlung in einem großen Tresor, in welchem sie häufig über Jahrzehnte völlig unbeachtet und nur im Ausnahmefall einem forschenden Sammler zugänglich lagert.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma bieten seit einigen Jahren einige große Auktionshäuser, die große Sammlungen in Buchform dokumentieren und so in geschlossener Form der Nachwelt erhalten, bevor sie diese anschließend auflösen. Vorreiter war dabei das Auktionshaus Heinrich Köhler in Wiesbaden mit seiner Serie „Edition d'or“, in der in der Zwischenzeit fast 30 Bände erschienen sind.
Nun schließt sich auch das Auktionshaus Ulrich Felzmann aus Düsseldorf diesem Trend an. Zur Monacophil 2011 erschien das hier zu besprechende, in hervorragender Qualität hergestellte Buch. Kernstück bildet die Präsentation von 49 Briefen und einem frankierten Einlieferungsschein für eine internationale Postanweisung. Jeder Beleg ist  ausführlich erläutert. Am Anfang stehen Briefe aus dem Jahr 1863, frankiert mit Marken der IV.
Ausgabe von Sardinien. Besonders beeindruckend sind die 10 vorgestellten Briefe mit
Mischfrankatur: auf ihnen befinden sich sowohl ägyptische als auch italienische Briefmarken, die jeweils die Gebühr für einen Teil der Beförderungsstrecke abgelten. Zu den Top-Raritäten gehören auch zwei Briefe, die die Verwendung von italienischen Portomarken beim Postamt in Alexandria belegen.
Einleitend enthält das Buch kurze Erläuterungen zu den geschichtlichen und postgeschichtlichen Hintergründen, eine detaillierte Aufstellung zu den Postgebühren beim italienischen Postamt in Alexandria, zu den dort eingesetzten Poststempeln sowie zu den englischen, französischen und italienischen Schiffslinien, die Alexandria mit Europa verbanden. Weiterhin ist ein Abschnitt über die italienischen Briefmarken mit „ESTERO“- Aufdruck enthalten. In hervorragender Qualität sind sowohl die verausgabten Marken als Abarten und Archivproben abgebildet.
Den Abschluss des Buches bilden Ausführungen zur Schiffsverbindung zwischen Genua und Alexandria, der „Linea d'Egitto“. Für den Zeitraum Dezember 1869 bis September 1880 sind in einer großen Tabelle sämtliche auf der Linie verkehrenden Schiffe sowie ihre Abfahrts- und Ankunftszeiten in den Häfen Genua, Livorno, Neapel, Messina, Catania und Alexandria aufgeführt.
Das Buch wendet sich vorrangig an Sammler in Italien, der Text ist in italienisch. Doch die vielen Abbildungen sind auch ohne Sprachkenntnisse verständlich. Somit bildet es eine wertvolle Ergänzung zu der im Jahr 1998 von unserer ArGe herausgegebenen Studie von Francesco Dal Negro „Das italienische Postamt in Alexandria 1863 - 1884“.

Autor: Dr. Jürgen Glietsch

gedruckt in: Italien Rundschau 68/2011