Bibliothek

Südost-Philatelie Nr.140

Zeitschrift für jugoslawische Postgeschichte; Bonn, 2019

Schlagworte: Zeitschriften (philatelistische)

Artikel/Beiträge

Janko TavzesDie Geschichte der slowenischen Briefmake
Schlagworte: Slowenien

Rezension

Die slowenische „Kettensprenger“-Ausgabe von 1919 ist eine der ikonischen Ausgaben der  europäischen Philatelie – gibt sie doch in graphisch eindeutiger Form das Gefühl, welches augenscheinlich insbesondere in den vorher zur Habsburg-Monarchie gehörenden Ländern vorherrschte – die 1920 in der Tschechoslowakei erschienene  Freimarkenserie „Republik mit gesprengten Ketten“ nimmt dies Thema in anderer Gestalt auf.
Die slowenischen Kettensprengerausgabe mit ihren zahlreichen Varianten, die der Herstellung in (mindetens) drei verschiedenen Druckereien, den Zeiteinflüssen und auch dem Zeitdruck geschuldet sind. Der Übersetzer Helmut Kobelbauer weist in seinem Geleitwort darauf hin, dass zu diesen Zeiteinflüssen nicht nur Mangel und Improvisation, sondern auch in hohem Ausmaß „philatelistische Spekulation“ die Markenauflagen bestimmt haben.
Zum  Text selbst: es handelt sich um einen zwischen 1949/1956 entstandenen Text eines hohen Beamten der Postdirektion Ljubljana, der wie der Text eindeutig belegt, aber auch in der organisierten Philatelie Sloweniens und wahrscheinlich auch darüber hinaus, aktiv war. Auch wenn die Entstehung dieses Textes ca. 30 Jahre nach den berichteten Ereignissen liegt, kann man dennoch von einer Primärquelle sprechen, den Dr. Janko Tavzes scheint Mitglied der Kommission (der slowenischen Post) gewesen zu sein, welche die Herstellung (und Verteilung) organisierte und beaufsichtigte. Auf Seite 18 nennt er die Namen der Mitglieder dieser Kommission, und spricht in weiten Passagen des Textes in der „Wir“-Form.
Dank einer sehr vorsichtigen Übersetzung (an manchen Stellen werden Originalwortlaute mitgegeben), die nur sehr sparsam kommentiert sind, ist dieser Text für die philatelistische Forschung sicherlich brauchbar. Für den Gelegenheitsleser, der sich nicht intensiv mit der jugoslawischen Philatelie beschäftigt hat, wäre eine deutlichere Einordnung der einzelnen Textpassagen sicherlich hilfreich. So wirken die Marken- und Belegabbildungen, die in den Fließtext eingestreut sind, teils ein wenig beliebig. Vielleicht hätte dies den Rahmen dessen, was in einem (Sonder-)Heft einer Fachzeitschrift geleistet werden kann, gesprengt.

Autor: Stephan Jürgens

gedruckt in: Italien Rundschau 89/2019